
Music Transformation
Das Beste aus World Music, Kultur und Kunst in HD
Am 09.01.2010 fand die Eröffnung im Rahmen des Kulturhauptstadt Ruhr 2010 auf der Zeche
Zollverein statt.
Nachdem Tage zuvor die Veranstalter durch die Medien rieten, wegen der schlechten Wetterlage
und den wenigen vorhandenen Parkmöglichkeiten, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen,
trafen ich und Thomas Broich, mit der Straßenbahn endlich am Zielort ein. Bei diesem eisigen
Wetter, Schneeungeheuer Daisy tobte sich gerade über das gesamte Ruhrgebiet aus, hatte ich
schon ziemliche Bedenken, ob alles reibungslos ablaufen würde, vor allem weil Mario Becker,
unser Kameramann wegen Grippe ausgefallen war.
Dick und warm gegen jegliche Kälte und Schneegestöber gewappnet, holten wir unsere
Presseausweise und Informationen im Sanaa Gebäude ab, die an diesem Tag als Pressecenter
und gleichzeitig als Kunstinstallation diente.
(Ich möchte hier einmal ein Lob an die freiwilligen Volontäre und Mitarbeiter im Pressecenter und
Umgebung loswerden, die sich hervorragend um uns Gäste kümmerten.)
Nun, viel Zeit hatten wir nicht mehr. Die Eröffnungsfeier stand kurz bevor und glücklicherweise fuhr
der Pendlerbus ohne uns ab. So stapften wir durch Schnee und Kälte Richtung Bühne.
Überall wo wir hinschauten liefen die Vorbereitungen für die Eröffnungsfeier gespannt auf
Hochtouren und als wir durch zahlreichen Sicherheitsvorkehrungen und sehenswerten
Kunstinstallationen die imposante Kokereibühne erreichten, nahmen wir erwartungsvoll auf den mit
„Überlebenspaketen“ besetzten Sitzen platz.
Jedes dieser Pakete beinhaltete eine Decke, ein
Regencape, ein Taschenwärmer und eine kleine Sitzisomatte. Und so stülpten wir uns
umständlicherweise, auf den bereits ohnehin dicken Schichten von Pullovern und Jacken, die
Regencapes über, wickelten uns die Decken um unsere (Eis)Beine und wärmten uns die (Tief)
gefrorenen Hände mit den Taschenwärmer auf.
Wir Zuschauer gaben wahrlich ein Meer von Farben ab. Die Stimmung war trotz der einfallenden
Schneemassen großartig und so nahm das denkwürdige Ereignis ihren Lauf.
Nachdem Fritz Pleitgen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Ruhr 2010 GmbH, unseren
Bundespräsidenten Horst Köhler herzlich in Empfang genommen hatte, betraten nach seiner
bewegenden Rede auch andere Spitzenvertreter aus Kultur und Politik die Bühne. Unter anderem
José Manuel Barroso Präsident der Europäischen Kommission (der erstaunlicherweise fließend
Deutsch sprach), Jürgen Rüttgers Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen und viele
mehr um nur einige der zahlreichen geladenen hochkarätigen Gäste zu nennen.
Das bunte, heitere und vielseitige Bühnenprogramm begann mit einer Zeitreise, die in riesigen,
filmisch unterlegten Bildern die Geschichte des Ruhrgebiets von der ehemaligen Industrieregion
bis hin zum Wandel einer der bedeutendsten Kulturmetropole in Europa eindrucksvoll erzählte.
Die Inszenierung von von Gil Mehmert, Regisseur und Folkwang Professor, wurden von anmutigen
Tanzeinlagen der Folkwangstudierenden, den imposanten Trommeleinlagen der Blue Man Group,
von schweißtreibendem Breakdance, poetischem Rap, rasantes Springseilchen der Gruppe Jump,
eines stimmgewaltigen Chores,und vieles mehr begleitet.
Und zwischendurch die „Schneemänner“ die Unmengen von Salz auf der Bühne streuten und den
Schnee im Takt der musikalischen Darbietungen auf der Bühne weg schoben um somit mit ihrem
Beitrag die Sicherheit der tapferen Künstler gewährleisteten.
Untermalt wurde das ganze Szenarium mit faszinierendem Lichtspielen und (wärmenden)
Feuerwerk.
Das Applaudieren nach all dem Spektakel erwies sich als schwierig, weil das Publikum
Handschuhe an hatte und somit wurde die Begeisterung kurzerhand durch kräftiges Trampeln auf
dem Boden der Tribüne kundgetan. Übrigens, wurde die Veranstaltung über ZDF, WDR usw. live
übertragen.
Zum Abschluss der fulminanten Veranstaltung stellte uns Herbert Grönemeyer, für das diesjährige
Kulturhauptstadt 2010 die Premiere seines eigens hierfür komponierten Ruhr-Hymne „Komm zur
Ruhr“ vor. Im Wintermantel und Schal dick eingewickelt interpretierte er musikalisch Punktgenau
den Charakter und die Eigenheiten des im Ruhrgebiet lebenden Einwohner.
Herberts Text war für mich (und den Rest des Publikums) überwältigend und ich vergaß völlig, das
mir eigentlich bitterkalt war. (Dieser Song wird in diesem Jahr garantiert zu einem Ohrwurm:-))
Am Ende der Eröffnungsfeier hörte das rege Schneetreiben auf und zeitgleich öffneten sich die
Tore für die zahlreichen Veranstaltungen auf dem Zollvereinsgelände. Ich war völlig erstaunt, das
so viele Besucher ( es waren über 10 Tausende ) sich begeistert, trotz des winterlichen Wetters,
durch die schneebedeckten Wege bahnten. Das Zechengelände wurde stimmungsvoll illuminiert
und durch den Schnee glich sie einer unwirklichen Märchenlandschaft.
An diesem Abend gab es viel zu entdecken. Von diversen Open Air Angebote bis zu interessanten
Darbietungen die in den verschiedenen Hallen inszeniert wurden, wie Lesungen, Tanz, Konzerte
Kunstinstallationen, Partys und vor allem Aktionen die die Besucher zum Mitmachen einluden.
Der Höhepunkt an diesem Samstag Abend war das beeindruckende Höhenfeuerwerk über dem
Doppelblock des Förderturm, das Wahrzeichen des Zollvereins, welches in allen erdenklichen
Farben erstrahlte.
Nach diesem unbeschreiblichen ereignisreichen Tag, saßen ich und Thomas im Taxi, die
Straßenbahnen waren nämlich hoffnungslos überfüllt, Richtung trockenes warmes Heim und
während wir versuchten unsere Gedanken und Erlebnisse zu ordnen, schloss ich für mich
persönlich ein positives Fazit.
Alles in Allem war es für mich eine gelungene Veranstaltung und diese wird mir, trotz des
winterlichen ungestümen Wetters, gerade deswegen immer in Erinnerung bleiben.
Rosina Denaro